Co-working-space auf dem Land?

gemeinde-5-0Das ist keine Frage nach dem Warum, sondern nur nach dem Wann! Gerade Kommunen die im Speckgürtel von Großstädten liegen profitieren von dieser Entwicklung da sie allzu oft unter hohen Pendlerquoten (teilweise über 80%), Kaufkraftabflüssen und dem Strukturwandel leiden. Viele Menschen sind es leid jeden Tag zu pendeln möchten aber auch ungerne zuhause arbeiten.

themenfelder-und-problemeGerade hier kann der Ansatz „Umwandlung von Leerständen hin zu dezentralen Arbeitsplätzen in der Region – zentralen Arbeitsplätzen im Ort“ entwickelt werden. Der wirtschaftliche Strukturwandel lässt Klein- und Mittelzentren ausbluten und zahlreiche Leerstände säumen oft die B- und C-Geschäftslagen. Schließlich setzt der downgrading-Prozess ein: Der Leerstand wird durch Mietnachlässe kompensiert, den Inhabern fehlt das Geld für neue Investitionen, andere Nachbarn werden in Mitleidenschaft gezogen da die Kundenfrequenz abnimmt, bereits 10% Leerstand lassen eine Innenstadt als wenig attraktiv erscheinen und der Ort wird zukünftig nicht wieder angesteuert. Das hat zur Folge, dass noch mehr Mobilität von Waren und Personen entsteht, ein weiterer Ausbau von Infrastrukturen erfolgt und der Wettbewerb unter Händlern sich erhöht.

hauptfragenDer Digitalisierung sei Dank sind heute Arbeitsplätze mobil und der ländliche Raum kann aus dieser Not eine Tugend machen und seine Stärken mit hoher Lebensqualität, kurzen Wegen und guter Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur ausspielen. Neue Möglichkeiten des Arbeitens und der Freizeitgestaltung entwickeln bzw. vermischen sich, dessen wichtigste Voraussetzung ein guter Breitbandanschluss ist: Digitalisierung ermöglicht Arbeiten an jedem Ort. Sie beeinflusst bzw. ersetzt schon heute tradierte Geschäftsmodelle und der Wandel ist nicht mehr umkehrbar. Oder anders herum gefragt: Gibt es einen Lebensbereich der nicht davon betroffen oder sogar abhängig ist?

Reelles Arbeiten wandelt sich:
Heimarbeitsplätze, Co-Working-Spaces und Maker-spaces entstehen.

Virtuelles Arbeiten wird entwickelt:
Collaborations-Software Slack, Office 365, Google, Appear.in, Skype etc.

Seit eineinhalb Jahren arbeiten wir in der ILE-Region Calenberger Land an dem Projekt RegioLAB zusammen mit Dr. Wilhelm Klauser von initialdesign Berlin. Es wird unterstützt vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung, dem Ostdeutschen Sparkassenverband und der Region Hannover.

In dieser Zeit haben wir uns zahlreiche Modelle angeschaut, Konzepte entwickelt und mit Eigentümern gesprochen. Mittlerweile haben wir einen guten Ansatz entwickelt der jetzt umgesetzt werden kann.

Als Leitidee wurde „Leben und Arbeiten an einem Ort“ entwickelt. Damit verbunden sollten folgende positive Auswirkungen entstehen:

  • Reduktion der Mobilität = Klimaschutz
  • Kita, Schule, Wohnung in der Nähe = Erhöhung der work-life-balance
  • Reduzierung von Leerständen = Stärkung des Wirtschaftsstandortes
  • Arbeiten im Heimatort = Stärkung der lokalen Wertschöpfungsketten

losung-wennigsenAls Lösung wurden zwei Geschäftsmodelle entwickelt: als eigenständiges Modell oder als Ergänzung (Unterstützung) zu bestehenden Einrichtungen wie z.B. Kita, Schule, Bäcker, Dorfladen, Gemeinschaftshaus etc.

Des Weiteren wurden folgende Produkte geschaffen:

  • RegioBüro = Dezentrale Telearbeitsplätze von großen Arbeitgebern die mit einem langfristigen Kontrakt Mitarbeiter vor Ort bündeln. Sie bieten Ihren Mitarbeitern attraktive Arbeitsplätze mit einem Ausgleich der work-life-balance an und sparen Kosten bei der Vorhaltung von eigenen Büros
  • MietBüro = Stunden-, Tageweise Buchung von Arbeitsplätzen, Büros, Seminarräumen, das ist der klassische Co-working-space mit volatilem Geschäftsmodell

Die Kombination mit beiden Produkten ist sicherlich der sinnvollste Weg um Fix- und variable Kosten zu decken.

Die Standortsondierung erfolgte auf Basis einer Untersuchung zum Nahversorgungsnetz mit dem Fokus auf leerstehende Einzelhandels- und Bankimmobilien. Diese haben verschiedene strategische Vorteile: Barrierefreiheit, zentrumsnähe, Eigentümer verfügen über Investitionskapital, ein Maß an Frequenz und ergänzender Infrastruktur ist vorhanden, die Bürger kennen den Ort. Konkret untersucht wurden sechs Orte mit drei Objekten.

Herzlichen Dank an Martha Friedrich für die tollen Grafiken.

 

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